Aus dem Logbuch
Erinnerungen eines Gründungsmitglieds
Mitte November 2003 las ich eine Anzeige in der Presse, die auf ein Treffen zur Gründung eines Shantychores im Vereinsheim des SV Henstedt-Rhen hinwies. Heiner Winkelmann und Bernd Seute waren die Initiatoren. Beide sangen damals in einem Chor in Neumünster und wollten die Fahrerei nicht mehr auf sich nehmen. Mutig starteten sie den Versuch zur Gründung eines Shantychores in Henstedt-Ulzburg.
Bei der Informationsveranstaltung waren ca. 20 Personen anwesend, fünf davon sind heute noch im Chor. Mir, gerade in Rente gegangen und sangeslustig, kam es wie gerufen. Der Verein wurde unter dem Namen „Shantychor Seemannsgarn“ gegründet.
Heiner Winkelmann brachte uns, den bis dato nicht vorbelasteten, aber an Gesang interessierten älteren Herren, die Grundbegriffe des Chorgesanges bei. Es machte allen Beteiligten riesig Spaß, und die anfänglich kleine Gruppe wuchs auf über 20 Sänger an! Wir probten eifrig, zunächst ohne instrumentale Begleitung. Ein Chormitglied, Klaus Ebel aus Norderstedt, hatte eine gute Solostimme und konnte Gitarre spielen. Er setzte sich als wichtige musikalische Stütze durch. Nach und nach wurden auch Akkordeonspieler(innen) gefunden.
Nach einem knappen halben Jahr waren wir dann zu Auftritten fähig. Unsere unbefangene, lustige Art, fröhliche Lieder zu interpretieren, kam beim Publikum gut an. Wir waren mit unserem einstimmigen Gesang nicht gerade perfekt, aber das hat auch niemand erwartet.
Der 13. Juli 2004 war dann der Gründungstag des Shantychors „Alstermöwen Henstedt-Ulzburg e.V.“ unter der Vereinsführung von Hardy Kahnert (inzwischen leider verstorben) aus Norderstedt. Musikalischer Leiter wurde Klaus Ebel. Klaus ging neue Wege: Es wurden nicht mehr nur Shanties (Arbeitslieder) gesungen. Das Repertoire bereicherten populäre Seemannslieder und maritime Schlager. Diese Mischung kam bei den Sängern, Musikern und vor allem dem Publikum gut an.
Der nächste Boss der Alstermöwen hieß Bernd Schreiter. Mit ihm und Klaus Ebel kam mehr Kontinuität in den Verein. Wir bewarben uns für die Fernsehsendung „Der Norden singt“ beim NDR, einen Wettbewerb, bei dem sich je fünf Chöre aus allen fünf norddeutschen Bundesländern um den Titel stritten. Die Alstermöwen kamen in die Endrunde. Es war ein Riesenspaß für uns. Da wir aber nur einstimmig singen konnten, reichte es nicht ganz nach vorne. Aber der Kontakt zum Fernsehen mit dem Besuch in der Maske, den Moderatoren Bettina Tietjen und Carlo von Tiedemann und den Juroren, u. a. Anne Karin und Knut Kiesewetter, war ganz schön spannend.
Im Jahre 2008 wurde dann das „Norderstedter Shantychor-Treffen“ ins Leben gerufen. Diese Veranstaltung wurde ein großer Erfolg, und man beschloss, sie jedes Jahr mit wechselnden Chören zu wiederholen. Das für den 22. März 2020 geplante 13. Treffen musste wegen Corona auf den 21. März 2021 verschoben werden. Die TriBühne in Norderstedt war jedes Jahr mit 800 Plätzen ausverkauft.
Mein vierter Vorsitzender wurde dann Ernst Backeberg. Er führte den Verein souverän, zog aber nach gut einem Jahr nach Süddeutschland, und mein fünfter Vorsitzender wurde dann für vier Jahre Alex Janke – mit seiner Frau Anne die Seele der Alstermöwen. Mit über 80 Jahren wollte er dann kürzertreten. Bis 2023 führte dann Werner Pergande diese Aufgabe fort und meisterte die Corona-Krise mit uns. Kurz übernahmen danach Rolf Wegenast und danach Udo Grenz die Verantwortung, zur Zeit versieht Dietmar Ritter die Führungsverantwortung als Vertreter.
Auch die musikalische Leitung wechselte öfter. Nach Klaus Ebel wurde Reiner Riethausen musikalischer Leiter. Ihm folgten Hermann Schultz und Andreas Pritschens. Hermann Schultz, ein sehr umtriebiger Sänger und Musiker, gründete im Jahr 2013 einen Ableger der Alstermöwen, nämlich die „Alstermöwen-Live-Band“. Hier wurden Kultschlager des letzten Jahrhunderts vorgetragen. Der große Erfolg währte leider nicht lange, denn die Belastung mit mehr Übungsabenden und weiteren Auftritten wurde einfach zu groß. Die Alstermöwen-Live-Band musste sterben, es war schade. Hermann machte sich aber als Entertainer und Moderator bei den Alstermöwen und besonders beim Publikum einen Namen.
Von Januar bis Mai 2014 hatte der Chor in Bianka Kilwinski eine junge musikalische Leiterin. Danach bemühte sich Valentina Barth kurz um unsere musikalische Entwicklung. Musikalischer Leiter mit viel Temperament und Engagement ist seit dem 1. Juli 2015 István Gulyás.
16 Jahre Alstermöwen bedeuten wöchentliche Übungsabende, jährlich 30 bis 40 Auftritte bei Shantychor-Festivals, Hafengeburtstagen in Hamburg mit Fernsehauftritten bei Hamburg 1, der Hanse Sail in Rostock, bei der Sylter Shantychorwoche, bei Matjestagen in Husum und in Glückstadt, Hafen- und Krabbenwochenenden in Büsum, bei Firmenjubiläen, Eröffnungen und bei Privatveranstaltungen, runden Geburtstagen, goldenen Hochzeiten etc. Auftritte bei sozialen Veranstaltungen in Alten- und Pflegeheimen, Benefizveranstaltungen, beim Neujahrsempfang im Henstedt-Ulzburger Rathaus usw. ergänzen unser Jahr.
Auch in der Mitgliedschaft gab es Wechsel. Es schieden Chormitglieder aus gesundheitlichen Gründen aus oder wurden zu früh zu Grabe getragen, aber es kommen immer neue Freunde des maritimen Chorgesangs dazu. Seit Langem sind wir ca. 35 Sänger und Musiker.
Seit Herbst 2025 sind auch Shantyladies ein fester Bestandteil der fröhlichen Alstermöwen. Unsere treuen Partner:innen bereichern das Vereinsleben bei Auftritten, Festen und Ausfahrten.
Ich hoffe, dass unser Chor noch viele Jahre eine gute Gemeinschaft bleibt.